Bezahlen mit dem Smartphone steht vor dem Durchbruch

Online-Shopping per Smartphone ist bereits weitverbreitet. Erst zögerlich setzt sich aber die Smartphone-Nutzung am POS mittels NFC-Technologie durch. Dabei wären die Voraussetzungen gegeben.

Der Griff in die Jackeninnentasche verdeutlicht die Realität: Total pferchen sich 14 Plastikkärtchen im Kreditkartenetui – ID, Halbtax, Führerschein, Bibliothekskärtchen, Krankenkassenausweis und mehrere Kunden-, Bank- und Kreditkarten. Ein Unding. Angesichts des Smartphones, das sich ebenfalls in der Jacke befindet und heute schon für unzählige Dienste taugt oder taugen würde, ist das Mitführen der vielen Karten umständlich und eigentlich nicht mehr zeitgemäss.

Doch es tut sich was. Wichtige Treiber für eine künftig vereinfachte Zahlungsabwicklung sind SBB, Migros und Coop. Seit dem 11. November sind nämlich alle 8500 Zahlungsterminals an den Migros-Kassen für die Möglichkeit des kontaktlosen Bezahlens aktiviert. Das heisst vorerst: Wer über eine Kreditkarte mit NFC-Chip verfügt, muss sie für Einkäufe bis 40 Franken bloss noch an den Lesebereich halten. Für Beträge über 40 Franken wird ein PIN verlangt.Die Near Field Communication (NFC), die Nahfeldkommunikation, ist ein internationaler Übertragungsstandard zum kontaktlosen Austausch von Daten per Funktechnik über kurze Strecken von wenigen Zentimetern. Als nächster Schritt werden weitere moderne Zahlungsmöglichkeiten geprüft.

Denn es sind eben nicht nur immer mehr Kreditkarten mit NFC-Chips versehen, sondern auch Smartphones. Und die Möglichkeit der Bezahlung per Smartphone am POS will nun Migros-Kontrahent Coop angehen. «Wir streben eine Lösung an, die sich nicht auf Kreditkarten beschränkt», sagt Mediensprecher Urs Meier. «Wir möchten das kontaktlose Bezahlen per Kreditkarte und per Mobiltelefon ermöglichen. Hier sind wir nahe an einer zuverlässigen Lösung. Bereits 2012 haben wir einen Pilotversuch zum kontaktlosen Bezahlen mittels NFC-Technologie durchgeführt. Im Moment läuft eine weitere Testphase zusammen mit der Swisscom bis Frühling 2014.»Bei Coop habe die Sicherheit für den Kunden oberste Priorität. Deshalb setze Coop auf EFT-Terminals und Software der allerjüngsten Generation. Die Umrüstung der bisherigen EFT-Terminals auf die neuen werde für alle 8500 Zahlterminals voraussichtlich Mitte 2014 abgeschlossen sein. Schon weiter sind Valora und McDonalds: Hier sind alle Verkaufsterminals bereits heute mit NFC ausgestattet.Smartphone als Billetautomat

Bei den SBB avanciert das Mobiltelefon immer mehr zum Billettautomaten für unterwegs. Schon 3,7 Millionen Kunden haben SBB Mobile installiert. Der Mobile-Kanal ist der am stärksten wachsende der SBB. «Zwei Drittel der E-Tickets – also online und mobile – werden mobile verkauft», sagt SBB-Sprecher Reto Schärli, «seit fünf Jahren verdoppelt sich der Umsatz der Mobile-Tickets jährlich. Heute verkaufen wir zwölf Prozent aller Tickets über Mobile- und Online-Kanal. Rund drei Viertel aller Einzeltickets werden an Automaten verkauft, der Rest am Schalter.»Und die SBB wer-den demnächst mit der Montage von 1000 neuen Billettautomaten beginnen. Bis Ende 2015 ersetzen diese die Billettautomaten der ersten Generation. Wer über Karten mit Pay-Pass- oder ähnlichem System verfügt, kann tiefere Beträge kontaktlos begleichen. Die Karte muss nur aufgelegt werden. Bis zu 40 Franken ist kein PIN-Code nötig. Bis zu 100 Franken muss ein PIN-Code eingegeben werden.

Den gesamten Beitrag als PDF: MK Magazin, Digital, Ausgabe 12/2013

Dieser Beitrag wurde unter Homeland veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>