Designwohnungen für Businessnomaden

Visionapartments eröffnet in Zürich 206 schicke Wohnungen – die ersten Gäste sind eingezogen.

Eine Bohrmaschine ist im Treppenhaus zu hören, in den oberen Stockwerken wuseln noch vereinzelte Bauarbeiter herum, und im Innenhof, auf dem neu gestalteten Wolframplatz, werden aus einem Laster Matratzen gehievt. Im siebenstöckigen neuen Lifestyle-Apartmenthaus, unmittelbar beim Bahnhof Giesshübel im Zürcher Kreis 3 gelegen, erfolgt das Soft-Opening. Seit dieser Woche werden im ersten und zweiten Stock die ersten der total 206 Business-Apartments bewohnt. Bis Ende Juli sollen alle Einheiten fertiggestellt sein, ebenso der oberste Stock mit VIP-Lounge und Fitness-Center.

200 Schuhschachtel-grosse Briefkästen stehen im Entree zur Beschriftung bereit, der endlos scheinende Gang, der sachte beleuchtet und mit leiser Musik beschallt wird, erinnert an ein Kreuzfahrtschiff. Die einzelnen Apartments sind in fünf verschiedenen Stilen gehalten. Der Stil «St. Moritz» ist von schwarzem Stein und dunklem Holz geprägt. Die Küchennische wartet mit einem Mini-Backofen auf sowie einer kleinen Kaffee- und Abwaschmaschine. Elegant ist das mit Corian ausgestattete Badezimmer – mit Dusche und modernen Armaturen. Weiter bietet die 30 Quadratmeter grosse Wohnung einen kleinen Tisch mit Stühlen, einen bequemen Sessel, einen TV-Flachbildschirm, Internet-Zugang und ein französisches Bett. Die weiteren Stilrichtungen nennen sich «Ibiza», «Crazy China», «LED» und «Magnolia». In der Ambiance unterscheiden sich die
17 bis 70 Quadratmeter grossen Apartments deutlich, allen eigen sind aber der elegante Stil und die hochwertigen Materialien.

Als die heute 36-jährige Firmengründerin Anja Graf nach der Mittelschule im Model-Business erste Erfahrungen sammelte, organisierte sie für ihre Berufskolleginnen, wenn diese in Zürich weilten, möblierte Zimmer. Wenig später, 1999, erfolgte dank finanzieller Unterstützung ihrer Eltern der Startschuss zur Firma Visionapartments und die Eröffnung erster Designwohnungen im Zürcher Kreis 4. Schritt für Schritt ist Visionapartments gewachsen, auch im Ausland. Mit der Eröffnung des Zürcher Flaggschiffes verfügt Visionapartments nun neu über 1014 Wohnungen; neben Zürich (total 602 Wohnungen), Lausanne (118), Berlin (135), München (17), Mallorca (2), Warschau (8), Wien (78) demnächst auch in Genf (54).

Doch welche Gäste spricht sie mit den Apartments überhaupt an? Anja Graf sagt: «Unser Publikum setzt sich international zusammen. In erster Linie sind es Business-Leute, die temporär in Zürich arbeiten. Es gibt aber auch immer mehr Private, die unser Angebot nutzen, sei es, weil man bei der Wohnungssuche noch nicht fündig geworden ist, sei es, weil das Eigenheim noch nicht bezugsbereit ist.» Im Durchschnitt verweilen die Gäste drei Monate.

Visionapartments sieht sich im Premium-Bereich positioniert, etwa auf dem Level eines Viersterne-Hotels. Nach dem Vergleich zur Hotellerie befragt, sagt Kommunikationsleiter Alain Gozzer: «Wir sind verwandt, aber trotzdem in einer anderen Liga. Wir bieten nicht den gleichen Service, haben keine Réception und unsere Wohnungen werden nur einmal pro Woche gereinigt. Aber klar, der Markt ist umkämpft und der eine oder andere Gast wird sich überlegen, ob ihn ein möbliertes Appartement nicht günstiger kommt.» Die Preise belaufen sich von 1900 bis 4000 Franken im Monat. Eine 30-Quadratmeter-Wohnung kostet rund 2700 Franken, was 90 Franken am Tag entspricht. Ob auch für eine kürzere Aufenthaltsdauer als einen Monat vermietet wird? Gozzer: «Wenn wir Leerbestände haben, sind wir flexibel und vermieten die Wohnungen auch nur für wenige Tage.»

Im Mietpreis sind die Nebenkosten, TV- und Internet-Anschluss, die wöchentliche Reinigung und die Schlussreinigung inklusive. Ein Wäscheservice ist gegen Aufpreis erhältlich. Im zweiten Halbjahr wird im neuen Flaghship House Zürich auch ein Fitness-Center und ein Restaurant verfügbar sein. Und bereits plant Visionapartments weitere Neueröffnungen. Auf dem Wunschzettel stehen Frankfurt und Hamburg.

In Zürich erfolgt am 11. Juli zudem die Eröffnung eines weiteren Apartment-Komplexes: The Flag Business Hotel, unweit des Stadions Letzigrund gelegen, mit 104 Einheiten. Auch dieses Konzept richtet sich an die wachsende Zahl von Geschäftsleuten, die einige Monate in einer Stadt verweilen, um dann weiterzuziehen. Der gehobenen Hotellerie, die auf Geschäftsleute angewiesen ist, dürfte die wachsende Zahl schicker Businessapartments weniger gefallen. Es droht Konkurrenz.

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