Rasselbande willkommen

Der Name ist Programm. Das Hotel im Bauernhaus-Stil wird von der Sommersonne angestrahlt. Die Grosse hat bereits eine Entdeckung gemacht, der Kleine stolpert hinterher: Der Vorplatz des Hotels Sonne in Bezau ist ein Spiel- und Fahrzeugparadies. Trottinetts, Gokarts, Einräder, Kickboards, Fahrräder und Bälle liegen bereit, auch eine noch nie gesehene Tretkonstruktion, die im Stehen und mit viel Gleichgewichtsgefühl zu bewältigen ist – die erste Hosenbodenlandung des Wochenendes folgt sogleich.

Nach dem netten Empfang an der Rezeption rauf in den ersten Stock: das Familienzimmer ist geräumig, kann mit einer Trennwand unterteilt werden. Die Kinder drängen aber wieder hinaus, vom Fenster aus haben sie ein Trampolin im Garten ausgemacht. So weit kommen sie vorerst nicht. Beim Rennen ums Hotel stoppen sie mit grossen Augen vor dem Hasengitter und müssen gleich zur Fütterung ansetzen. Und vor dem Nachbarshaus gackern einige Hühner. So ein flüchtendes Huhn zu verfolgen, scheint eine ziemlich lustige Angelegenheit. So lustig, dass die Kinder ebenfalls gackern und die Arme als Flügel schwenken – und beim Hüpfen auf dem Trampolin beinahe davonfliegen.

Die Landschaft hier im Bregenzerwald – ähnlich den Freiburger Alpen oder dem Toggenburg – ist mit den voralpinen Gipfeln und den weiten Weiden im Talbecken sehr idyllisch. Der Dorfbach plätschert hinter dem Hotel, die Bienen summen über dem Gras. Die Idylle ist aber von kurzer Dauer. Eine Kinderschar prescht um die Ecke, jagt einem Ball nach und eilt schon bald zum Klettergerüst. Der Lärmpegel in einem Kinderhotel ist naturgemäss hoch.

Auch beim Abendessen draussen auf der Terrasse herrscht grosse Betriebsamkeit. Babys weinen, Becher und Löffel fallen zu Boden, zwischen den Kinderstühlen zwängt sich voll beladen die mit Geduld gesegnete Bedienung durch. Eng wirds auch beim Kinderbuffet, die Tortellini und Spätzle sind schnell weg, das Gemüse bleibt länger liegen. Abrupt kehrt jetzt aber Ruhe ein. Kinderanimateur Mirko ruft die «blaue Stunde» aus – wieso auch immer die so heisst. Win-win! Ein Dutzend Kinder begleitet Mirko zu einem Spielplatz im Dorf und sind eine Stunde lang bestens unterhalten. Derweil entspannen sich die Eltern, in Ruhe kann nun selber gegessen und angestossen werden. Die Gäste hier sind mehrheitlich aus Deutschland und der Schweiz, man kennt sich mittlerweile vom Hasengitter und der Trampolin-Zuschauerbank.

Und man stellt schnell fest: so ein bisschen Familienhotel nebenher zu betreiben, geht nicht. Entweder setzt ein Hotelier konsequent und mit ganzem Elan auf die Karte Kinderhotel oder man lässts lieber bleiben. Denn jetzt, wo die Rasselbande unüberhörbar die Terrasse wieder einnimmt, würde es kinderlosen Ruhesuchenden wohl bald zu bunt.

Anderntags gehen wir den Tag gemächlich an. Nach dem Frühstück mit würzigem Bergkäse stoppen wir nach kurzer Fahrt vor der Kirche in Au-Rehmen. Pünktlich um zehn Uhr führt Annemarie im Dirndl-Look eine Gruppe von Kindern, Eltern und Grosseltern durchs Dorf, vorbei an Kräutergärten und hinauf zur Vorsässhütte. Sie erzählt Geschichten aus dem Dorf, erklärt die Wirkung von Heilpflanzen und hilft den Kindern, Amulette mit Hasenöhrchen zu basteln. Und dann gehts über die lustige Wackelbrücke zum geheimnisvollen Haselnussplatz.

Auf der Rückfahrt stoppen wir bei Bauer Ingo Metzler in Egg. Bauer 2.0 müsste man wohl sagen. Sein Bauernhof ist Labor, Käserei-Schule, Kräutergarten, Molkereiladen und Tier-Kino zugleich, der Kuh- und Ziegenstall ein futuristischer Holzkubus. Metzler nutzt die Milch seiner 16 Kühe und 50 Geissen zu 100 Prozent – auch für Molkegetränke, Salben und Körperlotionen. Im Stall lässt sich auf einer Galerie runter zu den Tieren blicken, wo sich die Geissen selber an der Drehbürste ihre Wellnessbehandlung abholen. Den Kindern gefällts.

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