Erst wenige Hoteliers schwören auf Apps

Ob Bern, Luzern oder Zermatt: Wer sich im iTunes-Store von Apple oder auf Google Play nach Apps umschaut, stellt fest, dass nur vereinzelte Hotels über eine Anwendungssoftware für Mobilgeräte wie Smartphones und Tablet-Computer verfügen.

Schätzungsweise die Hälfte der Hotels, die über eine App verfügen, setzen auf das Produkt «Vendoapp» der Berner Softwarefirma Vendomat. Deren Geschäftsführer Raoul Corciulo sagt: «Die Schweizer Hotellerie steht noch am Anfang. Es sind erst vereinzelte, kreative Hoteliers – quer durch alle Hotelkategorien –, die die Vorteile einer App erkannt haben. Hotelketten tun sich mit der Entscheidung aber noch schwer.» Dabei sind sich die Anbieter einig: Eine Hotel-App ist mehr als eine trendige Spielerei.

Walter Kreisser, Schweiz-Chef von Micros-Fidelio, sagt: «In unserer online-getriebenen Welt wird sich die Nutzung von Apps weiterentwickeln. Smartphones und Tablet-PCs sind nicht mehr wegzudenken. Gäste möchten jederzeit die Möglichkeit haben, aktuelle Informationen abzurufen und direkt zu buchen.» Als Vorteile einer App gegenüber anderen Online-Kommunikationsformen nennt Kreisser die gezielte Kommunikation mit dem Gast, insbesondere während und nach dem Aufenthalt. Auch der Direktvertrieb lasse sich so stärken.

Walter Berger, Geschäftsführer der auf IT-Lösungen für die Hotellerie spezialisierten Rebag Data, sieht ebenfalls zahlreiche Vorteile einer App: «Die Gäste sind stets aktuell informiert, und mit verkaufsfördernden Massnahmen können sie animiert und aktiviert werden.» Eine App ermögliche eine stete Tuchfühlung: «Der Gast kann sich schon vor der Anreise mit dem Produkt und der Umgebung auseinandersetzen.»

Laut Raoul Corciulo nutzen je rund 100 Hotels und Restaurants die Vendoapp. Diese stellt ein Grundgerüst dar, das der Hotelier oder Gastronom beliebig weiterskalieren kann. Kostet eine umfassende, klassische App 15 000 bis 20 000 Franken, so kostet die Vendoapp 980 plus monatlich 99 Franken. Unter anderen nutzen das Hotel Bad Bubendorf, der «Sternen» in Muri, das «Marina» in Lachen, das «National» in Zermatt und das «Ascot» in Zürich die Vendoapp.

Das Tool erlaubt es, ein Hotel per GPS zu finden. Ebenso ist ein Button für den direkten Anruf vorgesehen und eine Social-Media-Anbindung. Für Restaurants ist die Tischreservation wohl ein beliebtes Feature, für Hotels die Vernetzung zum Hotelreservationssystem. Auch eine Anbindung an Webcams kann integriert werden.
Für das Hotel Bestzeit in Parpan hat Rebag Data eine Pilotinstallation entwickelt. Der Gast kriegt mit der Reservationsbestätigung den Link zur App und kann sich so schon auf seine Ferien vorbereiten. Und wenn der Gast sein Zimmer bezogen hat, findet er ein iPad mit der App vor, die ihm Auskunft gibt über das Hotel, das Gesamtangebot, die Weinkarte, Tagesmenüs, Sportartikelmiete oder das Wetter.

Noch hält sich die Verbreitung von Apps in der Schweizer Hotellerie in Grenzen. Und jene Hotels, die über eine App verfügen, haben in optischer Hinsicht durchaus Steigerungspotenzial. Allzu oft kommt die Präsenz handgestrickt daher, wenngleich es positive Ausnahmen gibt, wie zum Beispiel die elegante App des Hotels Matthiol in Zermatt.

Das sagen die Experten:
Walter Berger, Rebag: «Eine App kann mit allen Links, die ein Hotelier möchte, einfacher verknüpft werden, und ist mit weniger Aufwand zu pflegen. Im Idealfall behält der Gast nach dem Aufenthalt die App auf seinem Mobilgerät, erhält weiterhin aktuelle Informationen und wird somit schneller wieder buchen – und zwar eben über die App und nicht einen Kanal wie Booking oder HRS, der Kommissionen fordert. Für die Stammgastpflege sind Apps sehr wertvoll.»

Raoul Corciulo, Vendomat: «Was auf einem grossen Bildschirm funktioniert, geht auf dem mobilen Gerät nicht. Auch wenn es sich bei einer mobilen Website um eine abgespeckte Form der fixen Website handelt, füllt diese mehrere Seiten und macht die Nutzung uninteressant. Auf dem mobilen Gerät ist eine andere Bedienung gefragt. Und wer eine mobile Website anschaut, der verlinkt sie nicht. Der Android- oder Apple-Besitzer hat einen Store, der gezielt nach Apps sucht. Ein weiterer Nachteil mobiler Websites: Es können keine Push-Texte empfangen werden.»

Walter Kreisser, Micros-­Fidelio: «Apps sind vorrangig für Smartphones konzipiert. Wir bieten zwar auch respon­sive Design für Websites an, die auf Smartphones laufen, aber die Darstellung und Interaktion mit kleineren Bildschirmen erfordert schon sehr spezielle Handhabungsformate. Ausserdem sehen wir aktuell die Hotel-Apps primär für die Interaktion zwischen dem Gast und dem Hotel während und nach dem Aufenthalt vor. Zwar erfolgen auch bereits erste Buchungen, doch dieser Bereich ist sicherlich noch ausbaubar.»

Matthias Fröse, Boxalino: «Beide Welten haben ihre Vorteile. Eine mobile Website muss nicht erst runtergeladen werden. Eine App ist hingegen dann erfolgreich, wenn sie einen Mehrwert bietet: Unterhaltung, Information, eine spielerische Komponente, Brand Awareness. Der Vorteil einer App ist: Wenn sie einmal heruntergeladen ist, ist die Loyalität sehr hoch. Wenn der Gast über die App bucht und dabei Such- und Buchungs­maschinen umgeht, spart der Hotelier auch Kosten.»

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