Mit Tolstoi im Abteil

Einmal mit der Transsibirischen Eisenbahn Russland durchqueren, von Moskau über die weiten Steppen Richtung Wladiwostok: ein unerfüllter Reisetraum wird wahr − zumindest in den Tiefen von Youtube. Auf dem ansonsten hektischen Videoportal, wo Kurzvideos aus jeder Ecke der Welt angezappt werden können, ist auch die sechstägige, endlose Zugreise zu finden. Und zwar ein voller Länge, eins zu eins − unter www.google.ru/transsib.

Die 9230 Kilometer lange Strecke wird hier in einem 150 Stunden dauernden Video dokumentiert. Der Blick der Kamera ist aus dem Abteil gerichtet, das Rattern der Waggons zu hören. Ein Klick auf Play, und der Zug startet schwerfällig im Jaroslawler Bahnhof, langsam vorbei an wartenden Passagieren, Blechwänden, Bäumen, einigen schönen Fassaden und nach fünf Minuten tauchen die ersten Plattenbauten und Pipelines auf. Noch ist der Weg bis zum Ural ein weiter – wie weit, lässt sich auf der verknüpften Google-Maps-Darstellung eruieren, hier kann die Fahrt per Satellitenblick verfolgt werden. So weiss man genau, welche Gegenden Russlands am Fenster vorbeiziehen.

Wodka-Runden mit anderen Passagieren, um die stundenlange Monotonie der Birkenwälder und das zermürbende Rattern zu ertragen, gibt es zwar nicht. Doch die Website bietet akustische Abwechslung. Wählbare Optionen sind «Russkoje Radio», Balalaikaklänge oder man lässt sich russische Weltliteratur vorlesen – endlich genügend Zeit für Gogols «Tote Seelen» oder «Krieg und Frieden» von Leo Tolstoi, schliesslich dauert diese Vorlesung allein 67 Stunden.

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