Räuber und Poli

Der kürzliche Aufenthalt in Manila dürfte dem deutschen Touristen ein nachhaltiges Polizei- Trauma beschert haben: Fünf Polizisten haben ihn im Geschäftsviertel Makati festgenommen, warfen ihm zuerst den Kauf gefälschter Waren vor, dann Drogenkonsum, zu guter Letzt Terrorismus, um ihn dazu zu bewegen, ihnen mit seiner Kreditkarte je einen Laptop zu kaufen. Er fügte sich und zückte seine Karte. Trotz der Drohungen wandte er sich daraufhin ans Konsulat, die Gendarmen wurden gestellt.

Eine dunkle Erinnerung taucht auf. 1992 an der Küste Venezuelas: Barcelona heisst die Hafenstadt, von wo man auf die Touristeninsel Margarita überschifft. Am Abend vor der Überfahrt gehts zusammen mit dem Reisekumpel durchs Hafenviertel, einen Schlummertrunk im Visier. Ein Jeep stoppt abrupt, zwei Polizisten knallen uns an die Häuserwand, nehmen die Pässe in Besitz und karren uns in ein abgelegenes Industrieviertel. Im Dunkeln beginnen sie ihr Verhör, sprechen wirres Zeug von Diebstahl und Drogen. Bald wird klar, die wollen ein paar schnelle Dollar. Wir kaufen uns mit je 20 Dollar frei. Damit sind sie zufrieden, wollen uns sogar zurückfahren. Wir verzichten dankend und nehmen den Kilometer zu Fuss in Angriff. Auf halber Distanz: Ein Polizeiwagen stoppt, zwei bewaffnete Uniformierte halten uns an. Wir schaffen es, ihnen klarzumachen, dass wir schon kontrolliert worden sind. «Queremos hablar con su comandante», verlangt der Kumpel nach deren Chef. Sie lassen uns ziehen.

Wenn man aus einem Land hinter den sieben Bergen stammt, wo man Räuber und Poli spielt, wo der Polizist Freund und Helfer ist, einem im Kindergarten das Verhalten beim Fussgängerstreifen erläutert, trifft einem die Begegnung mit uniformierten Banditen eher unerwartet.

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