Weg mit den letzten Betten

Wer noch für den selben Tag ein Hotelzimmer sucht, findet ab 12 Uhr mittags auf Last Minute-Apps verfügbare Zimmer mit Rabatten von bis zu 50 Prozent. Wie funktioniert das? Wer sind die App-Betreiber? Und welche Schweizer Hotels machen da mit?

Platzhirsch HRS, das führende Hotelbuchungsportal in Deutschland, konnte 2012 nicht tatenlos zusehen, als das Berliner Start-up Justbook eine mobile App lancierte, die eine Hotelbuchung für den gleichen Tag zu massiven Rabatten ermöglichte. Erst versuchte HRS die bei Justbook präsenten Hotels zu zwingen, nirgends anders als bei HRS die günstigsten Zimmer abzugeben. Als das Bundeskartellamt HRS zurückpfiff, kreierte HRS kurzerhand die eigene App Hotels now mit dem gleichen Geschäftsmodell.

Der Vorteil einer App gegenüber einer herkömmlichen Website oder einer fürs Smartphone konzipierten mobilen Website: Die Anwendung kann einfacher und emotionaler dargestellt werden, die Funktionalität ist auf die Touch-Bedienung eines mobilen Gerätes ausgerichtet und hat sie der User erst einmal runtergeladen, ist die App stets präsent und lockt zum spontanen Preischeck.

Die Hauptzielgruppe der Hotel-Apps sind Geschäftsreisende, die von unterwegs noch kurzfristig ein Einzelzimmer buchen möchten. Zu finden sind nur die wichtigsten Städte mit jeweils drei bis zehn Hotels zur Auswahl, ab 12 Uhr werden die Angebote aufgeschaltet und sind bis 2 Uhr nachts verfügbar. Der Vorteil für den Hotelier: er kann morgens den Leerbestand begutachten und eine gewünschte Anzahl Zimmer in diesen Last-Minute-Kanal werfen – dabei wird die Preisschraube aber mächtig nach unten gedreht. Schweizer Städte, die auf den Portalen präsent sind: Zürich, Basel, Bern, Lausanne, Luzern, Genf und St. Gallen.

Am letzten Donnerstag um 14 Uhr liessen sich für Zürich noch folgende Hotels zu diesen Preisen und Rabatten abrufen: Bei Justbook waren es die Hotels Claridge (180 Franken, 49 Prozent), Leonardo (128.-/29%), Sheraton Neues Schloss (235.-/21%), Sorell Rütli (225.-/19%), Crowne Plaza (179.-/11%), Opera (235.-/16%) und Altstadt (289.-/10%). Bei Hotels Now wiederum waren zum gleichen Zeitpunkt zwei Zürcher Hotels verfügbar: Claridge (279 Franken/22%) und Sorell Seefeld (129.-/30%). Den Portalen gilt es wiederum eine Kommission von geschätzten 15 bis 20 Prozent abzuliefern. Beim Anruf im Claridge Hotel Zürich bestätigt Empfangschefin Lisa Hobi, dass über diese Kanäle einzelne Buchungen eintreffen, bei Hotels Now seien es deutlich weniger als bei Justbook oder Hotel Tonight.

Hotel Tonight? Genau, diese App war nämlich die erste, zumindest in den USA. Justbook muss sich nicht grämen von Hotels now kopiert worden zu sein, Justbook hat vielmehr Hotel Tonight aus den USA kopiert. Seit diesem Jahr ist Hotel Tonight-CEO Sam Shank mit seiner Hotel-App nun auch in Europa präsent und will zügig aufholen. „Wir wollen agressiv sein und in den wichtigsten Städten mit 15 bis 20 Hotels zusammenarbeiten“, sagt er gegenüber dem deutschen Fachmagazin FVW. Die Idee für seine App kam ihm 2010. Schon 2011 verzeichnete er in den USA drei Millionen Downloads und verfügt mittlerweile über 20000 Hotels weltweit. Doch bereits sind in Europa neben Hotel Tonight, Justbook und Hotels Now weitere Last Minute-Portale aufgetaucht, sie heissen Book it now, Blink und Roomfair.

Ist die Goldgräberstimmung, auf die die Portale dank der hohen Download-Zahlen verweisen, berechtigt? Zweifellos ist der Trend unverkennbar: Smartphones und Tablets verbreiten sich rasant, damit auch die Einsatzmöglichkeit mobiler Apps. Und bereits 70 Prozent der Schweizer Internet-Nutzer gehen mit zwei oder mehr Geräten online. Gegen ein grosses Buchungsvolumen bei Geschäftsreisenden spricht vorerst, dass die Apps nicht mit Business Travel-Anbietern und deren Buchungstools zusammenarbeiten und damit einen Grossteil der Geschäftsreisenden noch nicht ansprechen können.

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