Fingerwisch ins Ferienglück

Wie gut eignet sich ein Smartphone für die Feriensuche? Die Reiseveranstalter betreten Neuland.

Der nächste Ferientrip beginnt im Reisebüro – und immer häufiger in einer Suchmaschine. Die Reiseveranstalter sind gefordert, im Suchmaschinen-Ranking vorne aufzutauchen, wollen sie bei der Ferienbuchung berücksichtigt werden. Seit dieser Woche aber hat Google den Suchalgorithmus neu definiert. Umständliche Desktop-Websites werden abgestraft und verlieren Ranglistenplätze. Websites, die für mobile Geräte optimiert sind, erhalten nun eine viel bessere Rangierung.

Sind die Schweizer Reiseveranstalter fürs neue Mobile-Zeitalter gerüstet? Bei der Google-Suche nach «Ferien Kreta» zeigt sich: Die führenden Veranstalter Hotelplan, Kuoni und Tui tauchen auf den ersten vier Positionen auf. Bei der Sucheingabe «Reisen Florida» sind sie in den ersten sechs Rängen zu finden, bei «Badeferien Gran Canaria» in den ersten zehn Plätzen. Die Hausaufgaben, ebenfalls mit einer mobile-optimierten Website aufzuwarten, sind fürs Erste gemacht.

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Seit Mitte Februar wartet Hotelplan mit einer neuen Mobile-Website auf. Dabei mussten die umfangreichen Inhalte und Rubriken verschlankt werden für den kleinen Bildschirm eines Smartphones. Das gelingt überraschend gut. Die Suche nach einem Badeferien-Hotel in Griechenland führt schnell ans Ziel, die nötigen Infos zu Ausstattung, Lage, Preis und Verfügbarkeit sind einfach abrufbar. «In den letzten zwei Monaten verzeichneten wir 60 000 Besuche auf der Mobile-Website, das sind 17 Prozent des gesamten Traffics», sagt Prisca Huguenin von Hotelplan. Für die Sondierung von Sonderangeboten eignet sich die mobile Website dank Voreinstellungen, Scroll- und Dropdown-Funktionen. Favorisierte Angebote lassen sich auf einer Merkliste abspeichern. Doch für die Buchung und die detaillierte Eingabe persönlicher Daten ist das Smartphone kaum geeignet wegen der Mini-Bildschirmtastatur.

Kuoni schaltete 2012 eine erste mobile Version der Website auf: «Konsumenten suchen via Smartphone vor allem einfach buchbare Badeferien-Pauschalreisen», sagt Peter Brun von Kuoni, «die Buchungen erfolgen dann übers Reisebüro oder via Desktop.» Getestet wird bei Kuoni derzeit eine neue Version. Im Juni will auch TUI Suisse mit einer neuen, «fully responsive» Website aufwarten, die sich den verschiedenen Bildschirmgrössen anpasst. Die aktuelle Version ist seit Januar 2014 aufgeschaltet. E-Commerce-Chef Erich Mühlemann ist mit den Besucherzahlen zufrieden, wenngleich die deutlich unter jenen der Desktop-Seite figurieren.

Schon weiter ist die Swiss – die Ausgangslage, nur Flüge anzubieten, ist gegenüber Reiseveranstaltern aber auch einfacher, die neben Flügen auch Hotels und Pauschalangebote auf den Mini-Bildschirm pferchen müssen. Seit März 2013 präsentiert der National Carrier die Mobile-Website im Responsive Design, alle Funktionalitäten sind auf dem Smartphone nutzbar. Swiss-Sprecher Mehdi Guenin sagt: «Über 20 Prozent des Traffic kommt von Smartphones, der Anteil steigt kontinuierlich. Mobile Nutzer suchen mehrheitlich nach Informationen zum Flughafen oder zu aktuellen Angeboten.» Zudem würden spezielle Services wie das Checkin stark mobil genutzt. Wohin der Trend bei der Nutzung von Smartphones geht, verdeutlichen die weiteren Bemühungen der Swiss. «Wir verfolgen das Ziel, mit der App und Website einen persönlichen Reisebegleiter
zu entwickeln», sagt Guenin.

Tui Suisse ist in diesem Punkt voraus. Vor einem Jahr wurde die App «Meine Tui» lanciert. Wer bei Tui gebucht hat, kann auf der App alle Infos zur bevorstehenden Reise abrufen, von der Hotelbeschreibung über Abflugzeiten bis zu Gepäckbestimmungen. Die App ist auch während der Reise nützlich, mit der Möglichkeit Ausflüge zu buchen, dem Kontakt zur Reiseleitung oder der Info, dass in zehn Minuten der Transferbus vorfährt. «5500 Registrierungen haben wir bisher verzeichnet », sagt Erich Mühleman, das sei zwar noch nicht sehr viel, doch das Tool sei sehr nützlich, künftig umso mehr – angereichert etwa durch Gästebefragungen. Im Herbst wird auch Hotelplan mit einer App herauskommen, die der Gast vor und während der Reise nutzen kann. Bei der Wahl von Hotels berücksichtigt Hotelplan nur noch solche mit WLAN – schliesslich sollen die neuen Dienste auch genutzt werden können.

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Pricing prägt die IT-Webshops

(Marketing & Kommunikation, 3/15)

Eine Vergleich der führenden IT-Onlineshops verdeutlicht: Neben Sortiment und Tiefpreisen halten neue Features erst langsam Einzug.

Naturgemäss gehörten sie zu den Ersten, die auf Internet-Verkauf setzten: Die IT-Onlineshops. Die Klientel sitzt ohnehin vor dem Bildschirm. Die Produkte sind messerscharf berechnet. Der Versandhandel eignet sich. Bei dieser engen Kalkulation liegen stationäre Vertriebskosten besonders schwer. Der Online-Verkauf, ein Eldorado für Webshops mit einem Sortiment, das sich auf Computer, Unterhaltungselektronik, Handys und Zubehör konzentriert. Doch wie gut präsentieren sich die führenden IT-Onlineshops im Netz? Haben sie die jüngsten Web-Erkenntisse adaptiert? Verwöhnen sie die Besucher mit einer cleveren Benutzerführung? Wie steht es um die Service-Komponente?

Umsatzstärkster IT-Onlinehändler in der schweiz ist Digitec.ch. 2001 als Nägeli Trading gestartet und 2005 in Digitec umgetauft, steigerte sich der Umsatz 2013 auf über 500 Millionen Franken im Jahr – dank einer Benutzerfreundlichkeit, die vor allem bei der Produktesuche punktet. 2012 beteiligte sich die Migros mit 30 Prozent an Digitec. Im vergangenen Jahr wurde der in die Jahre gekommene alte Shop vom Netz genommen.

Der Klick auf digitec.ch öffnet zunächst eine nüchterne, funktionale Startseite mit dem Überblick auf das breite Sortiment. Einige der Produkthighlights – wie ein Asus Ultrabook oder eine Nikon D7100-Kamera – sind in einer Bildgalerie animierend präsentiert. Top-Kategorien, häufig gestellte Fragen und eine News-Rubrik ergänzen die erste Seite. Beim Klick ins Innere bleibt die Übersicht gut, die roten Preise springen ins Auge. Zum Teil sehr ausführliche Nutzer-Kommentare und eine Sternen-Bewertung sorgen für eine gute Einschätzung. Das Handling des Warenkorbs und die optionalen Klicks wie etwa auf die Garantieleistungen sind gut gelöst. Und überraschend: Sogar das verfügbare Sortiment ist ersichtlich. Vom BenQ-Projektor sind noch 11 von 30 Stück im Lager. Anlaufstellen für weitere Fragen, ob für Privat- oder Business-Kunden, sind einfach zu finden.

Brack ist bekannt für guten Kundenservice. Und beim Klick auf brack.ch springt die Telefonnummer zum Support auch gleich ins Auge. In der Darstellung der Produkte und Kategorien unterscheiden sich die einzelnen Player nur nimimal, bei einzelnen Features kommt die individuelle Web-Präsenz aber zum Hervorschein. Sympathisch: ein kurzer Video-Report vom aktuellen Besuch der CES-Messe in Las Vegas. Den knapp vierminütigen Clip schaut man gerne an und der zeigt: die Brack-Leute stehen eben nicht nur im dunklen Lagerraum, nein, sie sind vor Ort, wo der Puls schlägt.

Leicht inflationär ist die Verwendung des roten Aktion-Märklis sowie die stetigen Verweise auf die Original-Preise – Lenovo H50-50 Tower, Fr. 489.60 statt Fr. 579.-. Denn was ist schon ein Original-Preis in diesem preisgetriebenen Business? Doch Brack weiss, wie der Hase läuft und in diesem Tummelbecken nichts ohne Preisaggressivität läuft. Mit schönem Web-Design alleine ist als IT-Onlineshop nichts zu gewinnen. Das Sortiment von Brack ist enorm. Aber auch die Liefer- und Support-Services. PC-Montage? Daten-Crash? Brack ist zur Stelle.

Ein fetter roter Pfeil nach unten, dazu das Euro-Symbol: „Jetzt noch günstiger“ lautet die Botschaft auf microspot.ch. Für Schnäppchenjäger ist die Seite ein Muss, vor allem die Option „Deals“. Freunde des edlen Web-Design mögen sich anderswo umsehen. Content und Community sucht man hier vergebens, Commerce ist das Thema. Hier spricht der Preis. Alles andere ist im Kleingedruckten zu finden. Doch durchaus umfangreich: Klickt man sich in die hinteren Regionen der Webseite, fehlt es an nichts: Erklärungen zu Rückgabe-Optionen, eine Übersicht der realen 18 Standorte, Kontaktdetails zu Herstellern. Der knallharte Discounter hat im vergangenen Jahr ein Wachstum von 40 Prozent verzeichnet. Anstelle der Profitabilität dürften Marktanteile angestrebt worden sein.

PCP, 1998 von einigen Kantischülern in Schaffhausen gegründet, verfügte als einer der ersten IT-Anbieter über einen eigenen Online-Shop. Im Oktober 2014 hat PCP Steg-Electronics übernommen und damit das Umsatzvolumen vervierfacht. Wie Microspot gehört PCP zu den Preisführern. Das Sortiment ist immens und einfach zu durchforsten. Die grosse Anzahl der Kategorien und Produkte lässt die Schriftgrösse aber ziemlich schrumpfen. Älteren Damen und Herren mit zunehmender Sehschwäche wird pcp.ch einige neue Stirnfalten bescheren. Doch Auswahl, Tiefpreise, Lieferung und Rückgaberecht zaubern wohl wiederum vielen Usern ein Lächeln ins Gesicht.

PCP wurde schon von 10-vor-10 porträtiert. Der Beitrag ist auf der Frontseite angeteasert und gibt Einblick in den boomenden Online-Handel. GFK-Marktforscher beziffern für 2013 den Online-Umsatz auf 6,25 Milliarden Franken, was einem Plus gegenüber 2012 von zehn Prozent entspricht und einer jährlich Pro-Kopf-Ausgabe von 780 Franken. 28,7 Prozent des Umsatzvoluments entfallen auf IT und Elektronik. Die Erläuterung von 10-vor-10: Im Gegensatz zum Ausland wo Anbieter wie Amazon oft den Online-Handel dominieren, hätten in der Schweiz tausende von Nischenanbietern ihre Chance. Der Online-Handel sei beliebt wegen der Preistransparenz, der 7×24 Stunden-Verfügbarkeit und insbesondere bei schlechtem Wetter sehr umsatzstark.

Die im Pricing lauten IT-Händler haben online die Nase weit vorn. Doch wie steht es um Anbieter wie Fust, die ein starkes Augenmerk auf den Service legen? Der im letzten Frühling lancierte neue Online-Shop fust.ch ist zumindest auf den ersten Blick überzeugend. Der lächelnde Fust-Mitarbeiter, der den Rundum-Vollservice anpreist ist auf der Frontseite gross abgebildet; leuchtende Sale- und Prozent-Angaben aber ebenso. Die besten monatlichen Preishits mit 50 Prozent-Rabatten sind ebenfalls auf den ersten Blick abrufbar. Auch weitere nette Features wie „Kunden werben Kunden an“ oder „Occasionen auf Ricardo.ch“. Auch Kundenerfahrungen werden publiziert, wenngleich das letzte Kundenstatement schon sechs Wochen zurückliegt. Gut auf fust.ch: die technischen Details zu den jeweiligen Produkten. Und nicht verschwiegen wird natürlich, dass hier Coop-Superpunkte gesammelt werden können.

Und wie siehts bei Kontrahent Migros aus? Melectronics.ch macht ebnfalls eine gute Figur. Zumindest ist die Frontseite rein farblich und von der Übersicht her geradezu wohltuend im Vergleich zu den bisher Getesteten, die wegen den unzähligen Kategorien eher überladen wirken. Das M-Electronics-Sortiment dürfte schmaler als bei anderen Anbietern sein, doch das tut der Benutzerführung gut. Es fehlt indes an überraschenden Features, die einen wiederholt auf die Seite locken würden. Immerhin erfährt man hier die Anzahl Facebook-Likes, 19206 sind es.

Sind Social Media auch bei den anderen Anbietern ein Thema? Bei der Anzahl Facebook-Likes wird M-Electronics nur von Brack (27866) und Microspot (22952) übertroffen. Dahinter liegen PCP (2126) und Fust (760). Bei Digitec, ausser in der Filiale Winterthur (123 Likes), ist Facebook Terra incognita. Umgekehrt bei Twitter: Digitec führt hier mit 11200 Followern, dahinter Brack (4222), Microspot (2438) und M-Electronics (113). Fust und PCP outen sich als Twitter-Muffel.

Fazit: Die IT-Onlinehändler haben im Web eine starke Präsenz und vezeichnen im Vergleich zu Anbietern anderer Branchen imposante Umsätze. Ihre Webshops sind allesamt vom breiten Sortiment, aggressivem Pricing und einfachem Bestellprozedere geprägt. Noch ist in den Bereichen Community und Content viel Potenzial gegen oben offen. Der Klick auf Highend-Anbieter bang-olufsen.com/de verdeutlicht, wieviel Lebensgefühl und Traumpotenzial auch in dieser Branche steckt. Doch der Rotstift obsiegt noch bei den IT-Onlinehändlern. Pricing über allem.

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Kuonis Notbremse zur Unzeit

Kuoni bietet künftig keine eigenen Reisen mehr an. Das Reiseveranstaltergeschäft und die Reisebüros stehen zum Verkauf.

Am Montag hat der neue Touroperating-Chef seinen Job aufgenommen. Am Dienstag präsentierte Kuoni ein neues Online-Reisemagazin und eine Studie, die besagt, wie gut Beratungsgebühren akzeptiert werden. Und seit einigen Tagen prangen die neuen Werbeplakate am Strassenrand. Doch am Mittwochmorgen dann aus heiterem Himmel: Das 109 Jahre alte Unternehmen gibt den Verkauf seines Herzstückes bekannt. Kuoni wird für Privatkunden keine Reisen mehr organisieren.

Eine Notbremse zur Unzeit und eine fragwürdige Wertvernichtung: Mitten in die heisse Buchungsphase gibt Kuoni seine Verkaufsabsichten bekannt und wird damit Buchungswillige, obwohl die Reisebüros offen sind, verunsichern. Der Wert der sehr gut etablierten Marke, insbesondere im hochpreisigen Fernreise-Segment, leidet. Für die über 1000 passionierten Reisespezialisten von Kuoni Schweiz beginnt nun das grosse Bangen. Gibt es einen Käufer, der sowohl Touroperating als auch die 81 Reisebüros übernimmt und aufrechterhält?

Aus börsenrelevanter Optik mag der Verkaufsentscheid angesichts der jüngst bescheidenen Finanzergebnisse und des wachsenden margenarmen Online-Vertriebs Sinn machen. Doch diese Börsen-Gefallsucht hat dem Unternehmen im Innern zugesetzt. In den letzten 15 Jahren schaffte es Kuoni nicht, in eine nachhaltige Ablösung des veralteten IT-Systems zu investieren. Nun läuft zwar seit einigen Wochen mit Tango parallel zum alten ein neues System. Der Tanz erfolgt aber zu spät. Käufer wie möglicherweise Thomas Cook oder die Firma DER Touristik aus der REWE-Gruppe würden aus Synergie-Gründen das eigene IT-System einbringen. Der letzte Tango kommt zu spät.

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Von Komodo bis zu den Lofoten

2015 verspricht zahlreiche spannende Reisetrends. Die Top 8:

1. Reisebüros kriegen die Kurve
Zwar haben von Januar bis September 54 Schweizer Reisebüros den Laden dichtgemacht. Der Umsatz der verbleibenden gut 2000 Büros hat gemäss einer Erhebung des Schweizer Reise-Verbands (SRV) 2014 aber zugenommen. Und der Trend soll auch 2015 anhalten. Denn gegenüber Online-Reisebüros konnten die traditionellen Reisebüros 2014 wieder Marktanteile zurückgewinnen. 22 Prozent der Schweizer Reisenden sollen 2014 ihr Angebot in einem Reisebüro gebucht haben, 2013 lag dieser Wert bei 18 Prozent. SRV-Geschäftsführer Walter Kunz ortet die Trendwende beim Ausbruch des isländischen Vulkans Eyjafjallajökull im Jahr 2010: «Es gab damals unzählige Reisende, die auf ihren online gebuchten Einzelleistungen sitzen geblieben sind und auf keinerlei Unterstützung zählen durften. Reisebürokunden hingegen wurden von ihren Buchungsstellen umfassend betreut.»

2. Die beliebtesten Städteziele
In der Gunst von Städtereisenden haben Lissabon, Kopenhagen und Hamburg gegenüber Klassikern wie London, Berlin und Wien jüngst aufgeholt. Neu bietet etwa Globus-Reisen in Hamburg einen VIP-Shopping-Service an, Modesuchende werden bei der Suche nach den neusten Fashiontrends und beim Einkauf begleitet. Gute Noten als reizvolles Städteziel erhält vermehrt Belgrad. Neben dem sozialistischen Charme locken schwimmende Clubs auf die Donau, und die Auswahl an Cafés sucht seinesgleichen. Hohe Buchungszahlen dürfte 2015 erneut Istanbul verzeichnen. Und als kommenden Shooting-Star nennt die Reisebibel «Lonely Planet» das bulgarische Plovdiv mit seiner schönen Altstadt und einem schwelenden Nachtleben. Auch die beiden europäischen Kulturhauptstädte 2015 Mons (Belgien) und Pilsen (Tschechien) haben derzeit viel zu bieten.

3. Feiern und Baden in Mykonos und Ibiza
Nachdem Hotelplan mit der tschechischen Travel Air Service an Grenzen gestossen ist – für Flüge nach Ägypten fehlte die Bewilligung –, werden nun mit zwei Germania-Maschinen und der Marke Holidayjet die Badeferienziele rund ums Mittelmeer, in Ägypten und auf den Kanarischen Inseln angeflogen. Ein Renner dürfte die griechische Insel Mykonos werden. Die Preise sind dank der verbesserten Fluganbindung deutlich gesunken. Und die Insel wartet mit einem erfolgversprechenden Mix von trendigen Clubs und stillen Buchten auf. Kuoni rechnet ebenfalls mit guten Buchungszahlen bei der Formel Party & Strand: In Ibiza wurde das Angebot ausgebaut. Tui Suisse registriert bereits ein 10-Prozent-Plus bei den Buchungen für nächsten Sommer und geht von einem Comeback Tunesiens aus sowie einer zunehmend beliebten türkischen Westküste. FTI hat das Angebot für den griechischen Peloponnes und für Aktivferien in der Türkei ausgebaut.

4. Von der Hudson Bay bis Komodo
Bei den Überseezielen spricht einiges für ein Asien-Jahr – dank anhaltend tiefen Flugpreisen. Nach einer Stagnation wegen des Putsches dürfte Bangkok wieder zulegen, als vibrierendes Städteziel und Ausgangspunkt zu Dschungeltrips und Trauminseln Thailands. Eine wachsende Nachfrage nach exotischen Tauchgründen verzeichnet Spezialist Manta Reisen: Etwa bei den Hallaniyat-Inseln im Oman oder im Osten Indonesiens bei Komodo, Wakatobi, Raja Ampat oder den Molukken. «Lonely Planet» nennt Nicaragua und Namibia als Trendziele 2015. Hotelplan setzt auf ein erweitertes Kuba-Angebot. Und Nordamerika hat zahlreiche Trümpfe zu bieten. Edelweiss wird mit Flügen nach Tampa, Las Vegas und Vancouver für eine gute Nachfrage sorgen. Knecht-Reisen wird sich dank den Bildern von der kommenden Ski-WM in Beaver Creek über zusätzliches Interesse Richtung des Pulverschnee-Mekkas erfreuen. Und Kuoni hat im neuen USA-Programm etliche Highlights zu bieten, etwa die Südstaaten. Und im Oktober führt Kuoni an drei Daten Entdeckungstouren an die Hudson Bay durch, wo Eisbären bei der Seehundjagd aus der Nähe beobachtet werden können.

5. Spektakuläre Hoteleröffnungen
Bei den weltweiten Hotel-Neueröffnungen wird auch Zürich 2015 von sich reden machen. Das «Kameha Grand», an der Stadtgrenze Zürich/Opfikon gelegen, will mit beeindruckendem Interieur aufwarten. Im türkischen Bodrum eröffnet im Mai 2015 ein neues Swissôtel. Es wird sich durch elegantes und minimalistisches Design auszeichnen. In Portugal wird im Douro-Tal die Luxus-Marke Six Senses einen Gourmet- und Wellness-Tempel eröffnen. In Dubai stehen das «Westin», das «St. Regis», ein W Hotel und der Palazzo Versace vor der Eröffnung. Die Luxuskette Raffles lanciert in Jakarta ein Kunsthotel. Und weitere Hoteleröffnungen erfolgen in Australien (Lizard Island Village), in Sansibar (Park Hyatt), in Singapur (Park Capitol) und in Sri Lanka (Anantara Tangalle). Und das spektakulärste Hotel wird in Norwegen fertiggestellt, das Lofoten Opera Hotel. In dramatischer Umgebung zwischen Kliffs und Buchten erstreckt sich das Haus den Berg hinunter, einer Kaskade gleich.

6. Gerangel am Schweizer Himmel
2015 dürfte das Jahr der vielen Flugschnäppchen ab der Schweiz werden. Nachdem Etihad Regional mit Tiefpreisen Europaziele ab der Schweiz anbietet, reagiert die Swiss ab dem Sommerflugplan mit 22 neuen Zielen, darunter Neapel, Bari, Bilbao, Porto, Toulouse, Leipzig, Dresden, Graz, Göteborg, Helsinki, Riga und Krakau. Auch Holidayjet, die neue Hotelplan-Charterlinie, scheut keine Tiefpreise und publiziert One-Way-Strecken bereits ab 49 Franken. Edelweiss gibt sich ebenfalls offensiv und wartet 2015 mit mehr Flügen nach Griechenland, in die Türkei und nach Spanien auf. Und gleich um sieben Embraer-Maschinen stockt Helvetic Airways die Flotte auf, wobei die Jets vorerst der Swiss vermietet werden.

7. Ab auf den Cruiseliner!
Die Kreuzfahrten-Sparte legt insbesondere in Europa weiter zu. Und 2015 werden einige neue gigantische Schiffe das Angebot ergänzen. Neben den US-Schiffen «Norwegian Escape» und «Anthem of the Seas» mit Platz für je 4200 Passagiere lässt die britische Reederei P&O Cruises die Britannia für 3600 Passagiere vom Stapel. TUI Cruises lanciert «Mein Schiff 4» für 2500 Passagiere, und die neue «Aida Prima» hat Platz für 3250 Passagiere. Costa Kreuzfahrten fliegt ihre Schweizer Passagiere vom 29. August bis 21. November 2015 jeden Samstag nonstop mit Etihad Regional von Zürich und Genf nach Triest. «Während eine Busfahrt aus der Schweiz bis zu elf Stunden in Anspruch nehmen kann, dauert der Flug ab Zürich lediglich 70 Minuten», erklärt Mary Stefanizzi, seit Anfang Dezember 2014 General Manager von Costa Kreuzfahrten Schweiz. Die Costa Mediterranea verkehrt zwischen Ende August und Mitte November im östlichen Mittelmeer.

8. Sharing-Industrie und neue Gadgets
Stolze Zuwächse, sei es auch nur schon darum, weil viele Reisende wissen wollen, wie das funktioniert, verzeichnen die Player aus der Sharing-Industrie wie Uber und Airbnb. Sowohl der Online-Vermittlungsdienst von Fahrgästen sowie der Vermittler von Privatunterkünften kämpfen aber in zahlreichen Ländern mit rechtlichen Schranken. Derweil bereits neue Services wie livemyfood.eu auftauchen, die Plattform vermittelt Dinners bei Einheimischen. Und dann wird 2015 das Jahr der Smartwatches und tragbaren Gadgets, die besonders bei Reisenden Anklang finden dürften. Der Hotelzimmer-Schüssel und der Airline-Boardingpass taucht dann per Knopfdruck oder Sprachbefehl am Handgelenk auf.

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Munot in Sicht, Rheinfall um die Ecke

Das «Arcona Living», Schaffhausens erstes Viersternehotel, überrascht

«Um 13.40 Uhr folgt auf Gleis 2 der Schnellzug nach Zürich», hört man die Durchsage vom nahe gelegenen Bahnhof, wenn man vor dem neuen Hotel Arcona Living in Schaffhausen steht. Hinter den Gleisen ist der neue Stadtteil «Urbahn Bleiche» entstanden. Eines der fünf modernen Gebäude, die mit verspielten Fensterfronten aufwarten, ist nun das erste Viersternehotel der nördlichsten Schweizer Stadt, die anderen sind Büros und Wohnungen. Mittendrin ein grosser Platz, wo derzeit viele Leute stehen bleiben, um das neue Schaffhausen näher zu betrachten.

Die deutsche Hotelkette Arcona, mit bisher 15 Häusern mehrheitlich in Norddeutschland, hat das Potenzial Schaffhausens geortet und versucht sich hier als Kongresshotel. Denn etliche nationale und internationale Firmen haben die Attraktivität Schaffhausens entdeckt. Mit einer Fläche von 500 Quadratmetern wartet der Kongressbereich auf, bis 340 Leute können hier tagen.

Naturgemäss weist ein Hotel für Geschäftsleute am Wochenende tiefere Auslastungen auf, entsprechend attraktiv ist dann der Besuch für Ausflügler und Wochenend-Touristen. Schaffhausen bietet mit der kompakten Altstadt, dem Wahrzeichen Munot und dem unweit gelegenen Rheinfall drei Highlights. Aber auch das Umland lässt für Wanderer, Flussfahrer und Weintester keine Wünsche offen. Im Oktober erst recht, wenn in Hallau, Osterfingen oder Trasadingen die grossen Herbstfeste steigen und sonnige Sonntage offensichtlich die Regel sind.

Ferdinand Hoekstra führt durch das sechsstöckige Haus, alles ist brandneu, die Zimmer sind elegant und clever eingerichtet, mit offenem Bad und frei stehendem Waschtisch, der sich mit der Schranktür temporär unterteilen lässt. Der General Manager des Hauses setzt sich auf die Fensterbank, die auch als bequeme Lounge dient, schaut über die Gleise Richtung Munot. «Wir möchten, dass unsere Gäste hier runterschalten können», sagt er in seinem leicht holländisch gefärbten Schweizerdeutsch – vor 28 Jahren kam er ins Berner Oberland, vor 12 Jahren nach Schaffhausen ins Hotel Zunfthaus zum Rüden, bevor er nun das Zepter im Arcona übernahm.

Runterschalten kann man im Arcona sowohl im Zimmer als auch im überraschend grosszügigen Asia Spa. Auf 1200 Quadratmetern laden verschiedene Aufgusszeremonien zum Schwitzen. Ein Highlight ist die Vichy-Shower, eine von Sprühregen eingedeckte Nassbehandlungsliege.

Auf zum Apéro an die Bar mit Leuchtdekor aus dem Film «Matrix»! Dann lockt die Showküche des Restaurants Weinwirtschaft, das tagsüber auch mit der Terrasse punktet. Der Mix aus regionaler und internationaler Küche überzeugt. Ebenso die Weinauswahl mit etlichen Tropfen aus der Region – etwa dem Hallauer Blauburgunder. Schaffhausen als Ausflugsziel, am nördlichen Zipfel gelegen und oft vergessen, muss man sich merken.

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App auf den Dom von Florenz

(Schweiz am Sonntag, 12. Oktober 2014)

Google avanciert von einer Suchmaschine zum Assistenten und Tourguide. Die Anzahl cleverer Apps und Reiseservices wächst. Ein Test in der Toskana.

Der Minibus-Fahrer drückt aufs Gas, rast im Florentiner Morgenverkehr vom Flughafen ins Stadtzentrum. Eine Bemerkung auf Italienisch wäre angebracht. Die Übersetzungs-App «Google Translate», eingestellt auf deutsch/italienisch, hilft. Das Mikrofon wird angetippt: «Bitte fahren Sie langsamer, wir haben ein bisschen Angst.» Die Übersetzung folgt sekundenschnell, akustisch gut verständlich: «Si prega di guidare lentamente, abbiamo un po’ paura.» Er lacht und nimmt den Fuss vom Pedal.

Zwei Dutzend Journalisten aus Mittel- und Nordeuropa treffen in Florenz ein. Google stellt die reiserelevanten Apps und Reise-Services in der Praxis vor. Keine andere Stadt könnte dafür geeigneter sein, die Dichte an Sehenswürdigkeiten ist enorm, die Schönheit des Hinterlandes ebenso. Die fünf deutschsprachigen Teilnehmer richten kurzerhand einen gemeinsamen Hangout ein.

Die Gruppenchat-Funktion ermöglicht den sofortigen Austausch von Kurztexten, Bildern und Videos – auch für Videochat-Konferenzen mit bis zu zehn Teilnehmern eignen sich Hangouts.

Um den Ponte Vecchio herum drängen sich die Touristen, die Spiegelung der Bogenbrücke im Arno zieht jeden Hobbyfotografen in den Bann. Mit der erweiterten Android-Foto-App, die mit einigen verrückten Spielereien aufwartet, erst recht. So lässt sich mit der Funktion «Photo Sphere» ein Rundum-Bild konstruieren, wie aus einer Luftblase heraus. «Fokuseffekt» erlaubt das Spiel mit der Schärfentiefe – ein Gelato in der Hand, und im Hintergrund ist verschwommen der Ponte auszumachen.

Den Kopfhörer ans Android-Phone angeschlossen und die Sprachausgabe der App «Field Trip» aktiviert, gehts durch die Gassen – wie ein persönlicher Reiseleiter kennt Field Trip die in der Nähe liegenden interessanten Orte und säuselt die wichtigsten Infos ins Ohr.

Vor dem Dom gehen die Blicke hoch zur Kuppel. Jetzt kommt «Google Now» zum Einsatz. Mit einer Hand am Gelato lässt sich die App bedienen, akustisch aktiviert mit «ok google», dann die Frage: «Wie hoch ist der Dom von Florenz?» Die gesprochene Antwort folgt sogleich: «114 Meter». Kann iPhones Siri mithalten? In diesem Fall nicht. Siri sagt bloss: «Ich habe das hier im Internet gefunden», um einen Wikipedia-Link der Italienischen Republik anzuzeigen. Auch der gedruckte Marco-Polo-Reiseführer hinkt hinterher: Nach drei Minuten suchen und lesen weiss man zwar, dass 463 Stufen hinauf in die Kuppel führen, die Höhenangabe sucht man aber vergeblich.

Perfekt sind die neuen Android-Reiseapps aber auch noch nicht, naturgemäss weisen sie einige Kinderkrankheiten auf. Im Google Play-Store beklagen sich Nutzer über häufige Abstürze, wenn sie «Photo Sphere» aktivieren (Empfehlung: die jüngste Android-Version 4.4.4. und alle Updates laden). Und bei der Navigation mit Google Maps muss man oft zweimal hinhören, wenn italienische Strassennamen unverständlich ausgesprochen werden.

Die Navigation führt trotzdem einwandfrei 35 Kilometer südlich von Florenz zum Weingut Villa Vignamaggio. Via Hangout treffen die Meldungen und Bilder ein – «Ich hab das schönste Zimmer!», «Wann gehts zum Apéro?».

Im Park des Weinguts gehen die Foto-Spielereien in der Abendsonne weiter. Ist die Funktion «Automatische Sicherung» aktiviert, sind die Bilder einerseits dauerhaft abrufbar, auch wenn das Smartphone verloren geht. Zudem lassen sich anhand weniger Einzelbilder kurze Animationen erstellen, ebenso Collagen oder ganze Storys.

Gabriele Bertaccini gesellt sich zum Apéro. Der junge italienische Event-Koch verfügt auf Youtube über eine grosse Fangemeinde. Im Garten lässt er sich via «Translate»-Funktion interviewen, das funktioniert gut. Und seine Anweisungen und Tipps beim anschliessenden Team-Kochen ebenso.

Mit «Translate» lassen sich übrigens auch geschriebene Worte und Sätze in 70 Sprachen übersetzen, sei es von einem Strassenschild oder einer Speisekarte. Man fotografiert eine Textstelle, streicht mit dem Finger über die gewünschten Worte – und die Übersetzung erfolgt.

Google avanciert also von der Suchmaschine zum vielseitigen Assistenten. Gerade auf einer Reise, deren Bilder man festhalten will und auf der viele Fragen zu Objekten und Sprache auftauchen, überzeugen die erweiterten Apps. Noch gilt es aber, wegen hoher Roaming-Gebühren, aufzupassen. WLAN gibt es meist nur im Hotel. Eine lokale SIM-Karte kann die Lösung sein. Doch bald – 2015? – werden auch zahlbare europaweite Daten-Abos auftauchen.

Maps
Google ist daran, die weltweit beste Karte zu verfassen. Es kommen immer mehr öffentlich zugängliche Innenräume dazu, etwa Museen oder Hotels. Mit sprachgeführter GPS-Navigation führt Google Maps ans Ziel. Um Datenvolumen zu sparen, lassen sich gewünschte Kartenausschnitte aufs Smartphone herunterladen. Dank Crowdsourcing erfasst Google Maps zudem aktuelle Stausituationen.

Google+ Fotos
Die erweiterte App Google+ Fotos vereinfacht das Abspeichern, Verwalten und Teilen von Bildern und Videos. Mit wenigen Klicks können Alben erstellt werden. Für Bewegtbilder, Panoramas und kreative Bilder mit Spezialeffekten gibt es zahlreiche Optionen. Mit der Siche rung «Nur über WLAN» werden die Fotos nicht schon unterwegs, sondern erst später im Hotel hoch geladen.

Translate
Die Übersetzungsfunktion beinhaltet bereits 70 Sprachen, von Albanisch bis Zulu. Zumindest deutsch/italienisch/- englisch funktioniert, wie der Florenz-Test gezeigt hat, beeindruckend gut. Gesprächspartner können das Telefon hin- und herreichen und so ein annähernd normales Gespräch führen. Das funktioniert auch ohne Internet-Verbindung, wenn man das gewünschte Sprachpaket heruntergeladen hat.

Now
Google Now ist der persönliche Assistent. Flug- und Hotelinformationen sind darauf gespeichert. Zu Hause taucht die Meldung auf, dass es Zeit ist, sich auf den Weg zum Flughafen zu machen. Unterwegs werden automatisch ein Währungsrechner, hilfreiche Sätze in der Landessprache und nützliche Reise karten geladen. Und die Sprachsuche verhilft zu praktischen Antworten unterwegs.

Field Trip
Diese App ist ein Reiseführer. Befindet man sich in der Nähe eines interessanten Ortes, werden eine Karte und die entsprechenden Informationen angezeigt. Über den Kopfhörer erklärt Field Trip die Sehenswürdigkeit. Die App ist angereichert mit geschichtlichen Daten und Tipps zum Shoppen, Essen und zur Unterhaltung. Wem das Gepiepse zu häufig erklingt, kann die Frequenz der Meldungen reduzieren.

Hangout
Ist man in einer Gruppe unterwegs oder will man Familie oder Freunde zu Hause live über die Reiseerlebnisse informieren, eignet sich diese Chat-Funktion, die dem sozialen Netzwerk Google+ angegliedert ist. Ein Hangout kann öffentlich stattfinden, maximal können zehn Leute aktiv teilnehmen. Während der Reise sorgen Gruppenunterhaltungen – angereichert mit Fotos oder Emojis – jedenfalls für grossen Spass.

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Mit dem Schnäppchenflug ins Luxuszimmer

(Schweiz am Sonntag, 21. September 2014)

Arabische Airlines heizen den Preiskampf Richtung Asien an.

Der Trip nach Südostasien lohnt sich wie schon lange nicht mehr. «Tiefe Flugpreise – zahlbare Luxushotels» heisst derzeit die Losung. Verantwortlich dafür, dass die Flugpreise im Keller liegen, sind nicht zuletzt die arabischen Airlines, die um jeden Preis auf dem europäischen Markt punkten und ihre wachsende Anzahl Flüge auslasten wollen. Oman Air etwa erhöht ab Januar die bisher vier wöchentlichen Flüge ab Zürich auf eine Verbindung täglich.

Die Anfrage für einen Flug von Zürich nach Bangkok und zurück von Mitte Oktober bis Mitte November eröffnen derzeit einen sehr grossen Fundus für Schnäppchenjäger: Emirates verlangt nur 718 Franken, Etihad Airways 679 Franken, Turkish Airlines 641 Franken und Oman Air sogar nur 617 Franken – jeweils mit einem Stopp. Die Preise der Nonstop-Airlines Swiss und Thai Airways liegen über der Grenze von 1000 Franken. Doch das derzeitige Preisrasseln der Airlines beschränkt sich nicht nur auf die Economy Class. Auch in der Business und First Class werden derzeit absolute Tiefpreise angeboten, wie sie bisher kaum bekannt waren. Im Flachbett der Singapore Airlines Business Class fliegt man für 3699 Franken ab Zürich nach Bangkok oder Phuket und zurück.

Pauschalarrangements werden dank den tiefen Flugpreisen ebenfalls günstiger, obwohl die Hotels selber gegenüber dem Vorjahr kaum günstiger geworden sind. Asien-Spezialist Intertravel bietet zum Beispiel fünf Übernachtungen im Fünfsterne-Hotel Lagoon View auf Phuket für 1199 Franken an, inklusive Emirates-Flug, Flughafen-Transfer und Frühstück. Auch bei Wettstein, dem AsienSpezialisten von Hotelplan, sind Phuket-Aufenthalte diesen Winter äusserst preiswert. Das Fünfsterne-Hotel Anantara Layan Resort kostet 104 Franken pro Nacht, inklusive Frühstück.

Entsprechend wird bei den Reiseveranstaltern auch in diesem Winter Thailand als Trendziel Nummer eins genannt. Kuoni-Sprecher Julian Chan verweist auf Phuket und Khao Lak als aktuelle Renner innerhalb Thailands. «Aber auch für Vietnam und Myanmar erhalten wir derzeit zahlreiche Buchungen.»

Stephan Roemer, der Inhaber und Geschäftsführer von Tourasia, dem Schweizer Marktleader im Asiengeschäft, registriert auch für Indonesien, den Philippinen, Japan und Sri Lanka eine gute Nachfrage. «In Thailand erlebt die Umgebung von Pattaya ein Revival, etwa die Bucht Pratamnak», sagt Stephan Roemer. Auch Inselhüpfen in Südthailand oder die Überlandreise von Bangkok nach Yangon komme gut an.

Bei TUI Suisse lauten die Top-3-Länder in Südostasien ebenfalls Thailand, Myanmar und Vietnam. «Gefragt sind auch Kombinationen mit Malaysia, Singapur, Kambodscha und Laos», sagt Tui-Suisse-Sprecher Roland Schmid. Neu lanciert Tui in der Schweiz die in Deutschland seit langem etablierte Marke Airtours. Der Luxusreiseanbieter wartet mit 1600 Hotels und 60 Rundreisen auf, mit Abreisen ab November 2014. Zu den Neuheiten im Programm von Tui Flex Travel gehört eine sechstägige Laos-Rundreise sowie Dschungel-Safaris in Südthailand.

Doch aufgepasst: die eingangs erwähnten Schnäppchenpreise ab 617 Franken nach Bangkok werden bloss für die Nebensaison ausgeschrieben. Wer über Weihnachten und Neujahr an Thailands Strände reisen will, wird zur Kasse gebeten. Die Fluganfrage für Zürich–Bangkok–Zürich vom 20. Dezember bis 4. Januar ergibt folgende Preise: Emirates kostet 1359 Franken, Etihad 1570 Franken – und ein Ticket mit der Swiss 2103 Franken.

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Destinationen zieren sich

Auf einer «Tour de Suisse» hatte STC bei den Destinationen die neue Buchungsmaschine beworben. Bisher hat nur Luzern Tourismus angebissen, aber weitere DMO könnten folgen.

Auf einer eigentlichen «Tour de Suisse» hat die Switzerland Travel Centre (STC) AG im vergangenen Jahr bei zahlreichen Destinationen ihre neue Buchungsmaschine beworben. Dass die Firma bisher nur die Luzern Tourismus AG (LTAG) als Neukundin gewonnen hat, obwohl die Buchungsmaschine gute Noten erhält, zeigt: Der Weg zu einer breit abgestützten, «nationalen Lösung» im Online-Vertrieb von touristischen Produkten, als die sich STC anpreist, ist noch weit.

Dabei sollte aufseiten der Destinationsmanagementorganisationen (DMO) ein grundsätzliches Interesse vorhanden sein: Die meisten von ihnen haben zuletzt im Online-Vertrieb gerade von Hotelübernachtungen erhebliche Rückgänge erlebt. Ein Grossteil dieser Buchungen wird nunmehr von Portalen wie Booking, HRS oder Expedia abgewickelt.

José Lamorte, Leiter des Endkundengeschäfts und Mitglied der Geschäftsleitung von STC, hofft, dass in den kommenden Monaten auch Bern Tourismus, Zürich Tourismus und die neue DMO von Lugano als Kunden hinzustossen werden. Zumindest in Zürich gibt man sich zurzeit aber zugeknöpft: «Derzeit können wir noch nichts über ein mögliches neues System sagen», sagt Sprecher Christian Trottmann.

Kein Thema ist die STC-Buchungsmaschine im Wallis und bei Graubünden Ferien (GRF). GRF-Sprecher Gieri Spescha sagt: «Als wir uns vor einigen Jahren entschieden haben, auf das System von Tomas zu setzen, war STC noch nicht so weit.» Es sei kein Entscheid gegen STC, sondern für die E-Plattform von Tomas gewesen. Angesichts der hohen Investitionen sei heute ein Wechsel zu STC kein Thema.

Tessin und Luzern als Kunden und Promotoren von STC

Roland Schegg, an der Fachhochschule HES-SO in Siders Tourismusprofessor, ortet bei bereits getätigten Investitionen ein verbreitetes Hindernis auf dem Weg zur «nationalen Lösung»: «Viele Destinationen haben stark investiert. Die Switch-Kosten wären sehr hoch. Da müsste der Mehrwert doch beträchtlich sein», sagt er.

Dass die Online-Buchungs­lösungen in der Schweiz einem Flickenteppich entsprechen, verdeutlicht eine Studie Scheggs aus dem Jahr 2011, die auch heute noch ihre Gültigkeit haben dürfte: 35 Prozent von 210 DMO arbeiteten mit Tomas, 34 Prozent mit Deskline, das restliche Drittel mit STC, anderen Systemen oder gar keinem. Aber auch neue Systeme wie Inntopia, etwa im Fall von Anzère, halten Einzug. Zu den Tomas-Kunden zählen neben Graubünden unter anderem Basel, Biel, Genf, Montreux, St. Gallen, Fribourg Région, Heidiland und die Waadt.

Ein bisheriger und künftiger Kunde von STC ist Ticino Turismo. «Wir sind daran, unseren Webauftritt komplett zu überarbeiten», sagt Sprecher Omar Gisler. «Auf der neuen Seite werden wir über die neue Buchungsmaschine verfügen. Die Feuerprobe wird im nächsten Jahr erfolgen, wenn von Mai bis Oktober die Weltausstellung in Mailand stattfindet.» Ziel sei es, Bahnreise, Übernachtung und Eintritt via STC buchbar zu machen. Gisler hofft, dass STC dank «besserer Visibilität» unter den Hoteliers grösseren Zuspruch erhalten werde.

Schon seit Mitte Mai arbeitet Luzern Tourismus mit der neuen Buchungsmaschine von STC. «Wir haben seither 800 Buchungen registriert. Das ist gut, denn in den letzten vier, fünf Jahren sind die Online-Buchungen regelrecht eingebrochen», sagt Direktor Marcel Perren. Von den 800 Buchungen seien 40 Prozent online und 60 Prozent über das Call-Center und den Schalter erfolgt. «Das neue System ist schneller und benutzerfreundlicher als das vorhergehende. Und es ist sehr nahe dran an den grossen Plattformen wie Booking», sagt Perren. Vorher seien viel mehr Buchungen während des Buchungsprozesses abgebrochen worden.

Perren begrüsste es, wenn weitere DMO die Buchungsmaschine integrierten: «Es ist wichtig, dass STC sich stetig weiterentwickeln kann. Je mehr Partner mit dabei sind, desto einfacher wird die Finanzierung des Systems und künftiger Weiterentwicklungen.» Denn obwohl die Herausforderung durch Booking und andere Portale bleiben werde, wolle man dem Gast «eine ­Alternative bieten». Derzeit sind auf Luzern.com 60 Hotels aus der Stadt Luzern und 170 aus der ­ganzen Region Vierwaldstättersee verfügbar.

Wie Gisler betont auch Perren die Bedeutung von Grossanlässen: «Die Leichtathletik-EM hat gezeigt, wie erfolgreich das STC-System bei grossen Events einsetzbar ist. Und bei künftigen Grossanlässen, die über eine Region hinaus gehen, wäre es wünschenswert, über eine nationale Lösung zu verfügen.»

Zermatt zeigt mit «Open Booking» weitere Alternative auf

Abgewendet von STC hat sich die DMO Scuol Samnaun Val Müstair. Laut Sprecher Niculin Meyer haben mehrere Partner den Entscheid beeinflusst: «Graubünden Ferien hat mit anderen Destinationen eine E-Plattform erarbeitet, die den gestiegenen Herausforderungen entspricht. Auch seitens von Hoteliers und Ferienwohnungsbesitzern gab es den Wunsch nach einem Wechsel, unter anderem mit dem Ziel einer grösseren Reichweite und Sichtbarkeit. Die Option von Dynamic Packaging, das auch den Verkauf von Ski- oder Badetickets ermöglicht, spielte ebenso eine Rolle.» Zudem erhoffe sich die DMO durch die Anbindung an die E-Plattform von GRF bessere Konditionen bei Verhandlungen mit Portalen wie Booking.

Dass die Frage der Buchungsmaschine aber nicht eine von «entweder-oder» ist, zeigt das Beispiel Zermatt. Dort wurde mit «Open Booking» eine Meta-Suche für Hotel- und Ferienwohnungsverfügbarkeiten eingeführt, die mit Tomas, Reconline, STC und E-Domizil mehrere Buchungsanbieter berücksichtigt.

Somit findet der Gast in Zermatt aus der grösstmöglichen Anzahl an Verfügbarkeiten den besten Preis, und dies in einheitlicher Darstellung. Diese Dachlösung könnte durchaus Schule machen, denn sie eröffnet einer Destination dank offenen Schnittstellen grosse Flexibilität in der Zusammenarbeit mit verschiedenen Portalen und Anbietern. Allerdings: Besonders günstig ist Open Booking nicht: Neben der neuen Website für 250 000 Franken hat Zermatt Tourismus weitere 737 000 Franken investiert.

(Hotelrevue, 11. September 2014)

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Glarner Urkraft und Bergseezauber

Rauer Glärnisch, magische Ambiance, geheimnisvolle Kavernen: Ein Besuch im Glarnerland sorgt für bleibende Eindrücke. Trotz Nähe zum Mittelland: Ausflügler und Touristen hat es wenige.

Nirgends lassen sich flache Steine so schön übers Wasser schiefern wie auf dem spiegelglatten Klöntalersee. Nirgends sonst ist das Echo prägnanter. Die Felswände sind steil und ausser einem Postauto oder ab und zu einem Motorboot hört man nichts. Weit oben thront der Glärnisch, und über dem See zieht Nebel auf. Der Stopp an einer Feuerstelle am Ufer ist ein Muss.

Das Klöntal steht für magische Stimmungen, dramatische Wetterumschwünge, raue Berge, und trotz Nähe zu Zürich – in einer Stunde ist man hier – hält sich der Besucherandrang in Grenzen. Typisch Glarnerland: Die Region wartet mit zahlreichen Trümpfen und unerwarteten Erlebnissen auf, doch auf der touristischen Landkarte steht das Glarnerland im Schatten der Zentralschweiz oder Graubündens. Gerade mal 127 000 Hotelübernachtungen verzeichnete der Kanton Glarus im letzten Jahr – in Graubünden waren es zum Vergleich 40-mal mehr, nämlich 5 Millionen. Entsprechend geringer ist das Marketingbudget, leiser das Buhlen um Gäste. Der Idylle im Klöntal schaden die fehlenden Massen aber nicht.

Vom Schiefern im Klöntal zum Schiefer im Sernftal: Stopp in Engi beim stillgelegten Landesplattenberg. Klassische Musik hallt durch das einstige Schieferbergwerk, Scheinwerfer beleuchten die Stollen und Kavernen. Bis 25 Meter hoch sind die von Menschenhand ausgehöhlten Räume. Im Schiefer eingelagerte Fossilien zeugen von der Urzeit. 11 Grad sind es hier drin das ganze Jahr. Seit über 400 Jahren wurde Schiefer abgebaut, bis 300 Meter weit in den Berg hinein reichen die Stollen. Seit 1961 ist die Suche nach dem Schwarzen Gold eingestellt, das vielen Familien das Überleben in der kargen Berglandschaft ermöglichte. Die Schufterei in den Stollen forderte ihren Tribut, Staublungen führten bei vielen Arbeitern zum Tod.

Heute lockt nach aufwendiger Instandstellung der Landesplattenberg mehrere tausend Besucher im Jahr an. Hans Rhyner, Leiter der Stiftung Landesplattenberg, wirft vor dem Plattenstübli beim Stolleneingang den Grill an und kehrt zehn Steaks. Bei Gruppen ist die Stollenbesichtigung sehr beliebt, auch dank der kulinarischen Abrundung.

Unten im Tal in Elm öffnet Rhyner die Schiefertafelfabrik, die heute ein Museum ist. Als ob hier gestern noch gearbeitet wurde: die Werkzeuge liegen auf den Arbeitstischen und nach dem Drehen des Schalters beginnen die Maschinen und Schleifen zu rattern. Hier wurden Tausende Schreibtafeln für Schüler hergestellt. Doch der Schieferabbau, wie im Museum im Detail und gut bebildert zu erfahren ist, führte zum Elmer Bergsturz. 114 Menschen kamen am 11. September 1881 ums Leben.

Maja Kobi, Geschäftsstellenleiterin der Ferienregion Elm und Geoguide, öffnet das Besucherzentrum des Unesco-Welterbes Sardona, gleich neben der Dorfkirche. Sie schildert in eindrücklicher Weise das geologische Phänomen der Glarner Hauptüberschiebung. An Bildschirmen und Infotafeln, aber auch beim Blick aus dem Fenster sind die markanten Linien unterhalb der Tschingelhörner erkennbar. Bei der Entstehung der Alpen hatten sich 250 bis 300 Millionen Jahre alte Verrucano-Gesteine auf viel jüngere, 30 bis 50 Millionen Jahre alte Flysch-Gesteine geschoben.

Am 30. September und 1. Oktober um jeweils 9.32 Uhr ist es wieder so weit: Dann scheint die aufgehende Sonne durchs Martinsloch genau auf die Kirche von Elm. Die Erscheinung dauert zweieinhalb Minuten, dann verschwindet sie, um zehn Minuten später endgültig aufzugehen. Bei dunstigem Wetter sieht man das Sonnenlicht kurz vor und nach dem direkten Scheinen als fünf Kilometer langen Strahl.

Keine Erscheinung, sondern in wahrhaftiger Gestalt steht Vreni Schneider vor der Kirche. Die dreifache Olympiasiegerin hat nach dem Friedhof-Besuch noch Unkraut in der Hand. Sie freut sich über einen Schwatz und erzählt vom Leben mit ihrer Familie und den zwei Buben, die sie gleich bekochen wird. Beim Blick zurück auf ihr Leben im Ski-Weltcup, sagt sie, dass es damals «nuch» ruhiger zu und herging. Heute betreibt sie mit ihrem Gatten ein Sportgeschäft und eine Skischule – und lässt durchblicken, es sei schade, dass in einem so kleinen Skiort wie Elm zwei Skischulen in Konkurrenz stünden.

Über den Tschingelhörnern ziehen dunkle Wolken auf, das Martinsloch ist nicht mehr zu sehen. Der garstige Sommer 2014 hat auch das Glarnerland nicht verschont. Gerade als Tagesausflugs-Destination kommt gutem Wetter hier eine grosse Bedeutung zu.

Um den touristischen Erfolg im Kanton zu steigern, agiert das Glarnerland Produktmanagement seit zwei Jahren mit zahlreichen Ideen, um die reizvolle Bergwelt bekannter zu machen. Mit sogenannten Glarner Quickies werden etwa Gäste auf die Alp gelockt, um den Älplern zuzuschauen oder um eine Auszeit zu nehmen. Künftig sollen aber auch vermehrt Übernachtungsgäste ins Glarnerland kommen. Gründe für einen Besuch, ob im Winter oder Sommer, gibt es jedenfalls viele – und magische Momente sind im Glarnerland inklusive.

(Schweiz am Sonntag, 7. September 2014)

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Monte Tamaro, der Adrenalin-Berg

Einst dümpelndes Skigebiet, heute florierender Sommer-Erlebnispark

Erst hört man ein leises Surren des Seils, dann flitzt die Touristin im Höllenkaracho an einem vorbei hinunter zur Alpe Foppa. Die mit 440 Metern längste Tyrolienne der Schweiz ist eine der vielen Möglichkeiten, auf dem Monte Tamaro Fun, Action und Weitblick im Tessiner Sommer zu erleben.

2003 zog die Familie Cattaneo den Stecker, entschloss sich, die Skilifte abzubauen und auf reinen Sommerbetrieb umzustellen. Zehn Jahre später steht der Monte Tamaro, im Dreieck Bellinzona-Locarno-Lugano gelegen, als Modellbeispiel da, wie ein Wintersportort, unterhalb 2000 Metern gelegen, dem Schneemangel erfolgreich den Rücken kehren kann. Rocco Cattaneo, ehemaliger Radprofi und heutiger Präsident der Tessiner FDP, und sein Bruder Luca sind die treibenden Kräfte als Präsident und Direktor der Monte Tamaro SA, wie auch Lucas Gattin Diana als Supervisor. Sie sagt: «Wir hatten damals einige schlechte Winter zu verzeichnen und sind heute mit dem Entscheid, auf Sommerbetrieb zu setzen, sehr zufrieden. Rund 100000 Gäste verzeichnen wir von April bis November.» Tessiner und Deutschschweizer Gäste machen zwei Drittel aus. Mehr Gäste wurden aus Italien erwartet, doch dort scheint derzeit eine generelle Reiseblockade zu herrschen.

Mit dem Tamaro Jumping, einem spektakulären Sprung aus 15 Metern, ist die jüngste Aktivität hinzugekommen. Beliebt sind auch die 800 Meter lange Rodelbahn, der Adventure Park, ein grosser Spielplatz, die Höhenwanderung Monte Tamaro–Monte Lema und die Mountainbike-Downhill-Strecke, auf der 2003 die WM stattgefunden hat. Und mit der 1992 bis 1996 erbauten Chiesa Santa Maria degli Angeli hat Mario Botta eine eindrückliche Steinfestung auf dem Bergsporn erschaffen. Sie zieht viele Architekturfans an. Zu Recht. Die Rundsicht ist einmalig.

Nun ist letztes Jahr noch ein neues Highlight hinzugekommen: In Rivera bei der Talstation ist das Splash&Spa Tamaro entstanden, mit der Credit Suisse als Geldgeberin im Hintergrund. Der Wasserpark wartet mit Action, Spass und Erholung auf. Die fünf spektakulären Rutschen sind mit Licht und Soundeffekten angereichert, der Spa- und Wellnessbereich verfügt über Hamam und Kastaniensauna. In der Spasskuppel lockt ein 30 Meter langes Wellenbad bei Temperaturen über 30 Grad. Und auch Kleinkinder kommen bei Sprühduschen, Schiffchenkanälen und Wasserspielen auf ihre Rechnung.

Bettina Brenna, für Marketingbelange beim Splash&Spa zuständig, sagt: «Nach zwölf Monaten Betrieb können wir bereits auf viele Besucher zählen, während der Ferienmonate sind es bis 1500 Leute am Tag.» Sie führt durch die drei Kuppeln – das elegante Design, auch im Aussenbereich, fällt auf, die Sauberkeit ebenso. Und Bettina Brenna verweist auf die zahlreichen Events und Themenabende, etwa eine Serata Nordica, Hamam 1001 Nacht, Ladies Night oder DJs in der grossen Kuppel – während des Winters jeweils am Freitag.

Unter dem Dach «Tamaro Park» befindet sich neben dem Erlebnisberg und dem Splash & Spa auch die Area Camper Tamaro mit 80 Stellplätzen. Sie ist gefragt: Zahlreiche Gäste aus Deutschland oder den Benelux-Ländern, die mit ihren Motorhomes Richtung Süden ziehen, schätzen eine oder zwei Übernachtungen bloss 500 Meter neben der Autobahnausfahrt A 2 in Rivera – mit der Option auf einen Adrenalinkick oder ein Wasservergnügen. Bereits denkt die Familie Cattaneo über ein weiteres Projekt nach. «Vielleicht kommt nächstes Jahr noch ein Hotel an der Talstation hinzu», sagt Diana Cattaneo.

Einen weiteren Gästeschub darf der Action-Berg ab 2016 erwarten. Dann wird die Neat den Monte Tamaro noch näher an die Deutschschweiz anbinden – und viele Tagesgäste anziehen.

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